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Üblicherweise liefern Softwarefirmen ihre Produkte in Form von CDs, DVDs oder als Download an die Kunden aus. Dies ist beim niedrigpreisigen, einfach zu konfigurierenden Mainstream sicher sinnvoll. Wizards helfen bei der Installation und Konfiguration, bei Fragen oder Problemen kann der Anwender selbst die Newsgroups durchforsten oder die Hotline bemühen. Bei komplexeren Produkten sieht die Sache ein wenig anders aus. Nicht nur die Konfiguration des Produkts selbst, sondern auch die oft notwendige Anbindung externer Systeme erfordert eine gehörige Portion Know-how und stellt nicht nur für gestandene Administratoren eine Herausforderung dar. Auch die eigens eingeflogenen Consultants des Herstellers haben manchmal zu kämpfen. Wer schon mal eine nach mehreren Monaten Bastelei immer noch funktionsunfähige Testinstallation erlebt hat, kennt die vertrauensschädigende Wirkung dieser Workarounds. Dabei sollte der Test doch das Vertrauen in den Anbieter stärken. ![]()
Jack in the Box Eine Möglichkeit, die Probleme in den Griff zu bekommen, besteht darin, ein Komplettsystem auszuliefern; statt einer DVD bekommt der Kunde die Anwendung in einem kompletten Server verpackt. Wer vor der Auslieferung anhand einer Checkliste alle zur Inbetriebnahme notwendigen Kundendaten erhebt, kann das System in aller Ruhe assemblieren, konfigurieren, testen und nach Redmond verschicken. Im Idealfall schließt der Administrator das Gerät vor Ort an und die Anwender können loslegen. Der Markt bietet Hardware-Komponenten für jeden Bedarf, Geschmack und Geldbeutel. Ist das Teil für das Büro einer Anwaltskanzlei bestimmt, macht die Exclusive-Variante im Designergehäuse eine gute Figur ("Oh ist der schön"). Der Großkunde mit Serverraum hingegen findet die Vollausstattung Enterprise im 19"-Gehäuse mit Dual-CPU, gespiegelten Platten und redundanten Netzteilen angemessen ("Da kann ein Panzer drüberfahren"). Alleinstellungsmerkmal? Wie wäre es mit einer Information-Management-Lösung mit iMac-Konsole; damit lässt es sich sicherlich von vielen Mitbewerbern abheben. Natürlich gibt es die Hardware nicht umsonst. Speziell bei hochpreisigen Softwareprodukten fallen die Hardwarekosten jedoch wenig ins Gewicht. Außerdem sollte man die Psychologie nicht unterschätzen, denn der Kunde "kriegt was fürs Geld", etwas "zum in der Hand halten" und nicht nur irgendeine von tausenden CDs, die nach einmal Sonnenbestrahlung keinen Wert mehr besitzt. Wer den nicht zu unterschätzenden Aufwand der Hardwareassemblierung scheut, kann sich die Geräte, von einem Dienstleister vorbereitet, zuliefern lassen. Als weiterer Vorteil ist die gestiegene Zuverlässigkeit der so gekapselten Anwendung zu nennen. Niemand kann durch unbedachtes Hantieren mit Fremdsoftware oder Service-Packs etwas überschreiben oder löschen. Die Laufzeitumgebung bleibt immer gleich und das ist für die Wartbarkeit des Ganzen ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Flugunfähige Seevögel? Eine Linux-Distribution unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Konkurrenz: Tausende von Softwarepaketen sind bereits enthalten, so lässt sich das Betriebssystem tatsächlich verwenden, nachdem dafür bezahlt wurde. Jeder Befehl und jedes Paket sind ausführlich dokumentiert, was nicht zum marktüblichen Standard gehört. Andere findige Geschäftsleute lassen sich die Dokumentation extra bezahlen. Die Netzwerkgrundausstattung ist komplett, schließlich gehören Paketfilter, die sichere Netzwerkanmeldung oder ein netzwerkfähiges Fenstersystem zum Standardumfang. Für die Administrierbarkeit ist mit Werkzeugen zur Systemüberwachung und -konfiguration ebenfalls reichlich gesorgt. Die Softwareverwaltungs- und Updatefunktionen, die sonst mühevoll selbst zu implementieren sind, überlässt man am besten den Distributoren; die können das sowieso besser. Speziell die Debian-Distribution genießt wegen ihrer Installations- und Updatemechanismen einen guten Ruf bei Kennern. Wer schon mal ein Microsoft-Installationspaket manuell geschnürt hat, weiß um die Besonderheiten des Microsoft-System-Installers und wird die Einfachheit schätzen, mit der sich Quellen zu installier- und wartbaren RPM- oder Debian-Paketen schnüren lassen. Das Erzeugen der Installationspakete lässt sich vollständig automatisieren und an den Build-Prozess der Software anhängen.
Der Basar Die Software kostet ein kleines Vermögen und nun muss dem Kunden noch schonend beigebracht werden, dass für den Betrieb nur noch ein extra SQL-Server oder ein externer Irgendetwas benötigt wird. Wer das Lied vom Investitionsschutz pfeifen möchte, verwendet für die Appliance eine aktuelle Linux-Distribution. Dann lassen sich alle benötigten Komponenten gleich mit installieren und konfigurieren, denn der Flitzer soll einen vollständig ausgestatteten Server als Fahrwerk bekommen. Fürs Datenbank-Backend stehen MySQL oder PostgreSQL zur Verfügung. Sie sind natürlich mit ODBC- und JDBC-Treibern ausgestattet. Hat sich die Entwicklungsabteilung am heutigen Stand der Softwaretechnik orientiert, sollte sich die Datenbankschicht mit wenig Aufwand anpassen lassen. Wer einen Verzeichnisdienst benötigt, kann sich des LDAP-kompatiblen OpenLdap-Servers nebst passendem Java-LDAP-Browser bedienen. Warum nicht die Benutzerverwaltung oder andere Konfigurationsparameter gleich im Verzeichnis ablegen, statt mit Datenbank-Synchronisationen zu hantieren. Hat die Software mit Mail-Handling zu tun, lässt sich mit Postfix ein vollständiger Mailserver konfigurieren, der sämtliche relevanten Protokolle beherrscht. Eine Suchmaschine für die eigene Dokumentation oder gar das Dokumenten-Mangement gefällig? Programmieren Sie doch eine! Mit Java-Kenntnissen lässt sich mit der Lucene-API ein extrem leistungsfähiges Suchmodul in die eigene Software implementieren. Ohnehin sind die Distributionen mit Java-VM, Eclipse, Tomcat, Ant, Struts etc. bestens für Java-Anwendungen gerüstet. Wer wünscht, Faxe zu versenden, sich von außen einzuwählen oder sich den kritischen Festplattenfüllstand via SMS zusenden zu lassen, kann eine Faxkarte einbauen... der Phantasie sind kein Grenzen gesetzt. Vor der Verwendung sind die Lizenzbedingungen der einzelnen Pakete zu prüfen, denn nicht jede quelloffene Software ist Freibier.
High Availibility Für Zeitgenossen mit höheren Verfügbarkeitsansprüchen sind redundante Komponenten nicht ausreichend. Eine Auszeit im Sekundenbereich lässt sich nur mit redundanten Servern realisieren. Mit dem Heartbeat-Projekt und dem DRBD-Treiber lässt sich aus zwei Servern ein Cluster-Verbundkonfigurieren. Der DRBD-Treiber sorgt für die Datenspiegelung über das Netzwerk und mittels Heartbeat überwacht der Slave den Master. Fällt der Master aus, startet der Slave die nötigen Dienste, übernimmt die gemeinsame Cluster-IP-Adresse und weiter geht es.
Adminspotting "Choose no life, no career, choose no family" und dann auch noch Unix. Wer sich austoben will, wird sich über die Regale füllenden Dokumentationen sicher freuen. Die Gewährleistungspflicht erlischt natürlich mit dem Öffnen des versiegelten Umschlags, in dem das Administratorenkennwort enthalten ist. Soll der Kulturschock geringer ausfallen, lässt sich die Appliance mit webbasierten Verwaltungsoberflächen à la Webmin und Konsorten ausrüsten, um dem gestressten Praktikanten den Ausflug auf die Kommandozeile zu ersparen. Auch viele Anwendungspakete warten mit webbasierten Oberflächen auf und vielleicht hat jemand Ihre Idee schon in einem fertigen Paket umgesetzt. Die meisten Pakete sind modular gestrickt, so lassen sich die Oberflächen mit wenig Aufwand an das eigene Corporate-Design oder an das CI des Kunden anpassen.
Error 404 Die Lampe ist rot, die Leute aus Redmond zucken mit den Schultern und der Chef muss dringend Gutes tun. Sie sind dran! Manchmal ist die Hardware defekt und ein Servicetermin ohnehin nicht zu vermeiden. In den seltensten Fällen jedoch ist ein Gerät völlig eingefroren. Wer für 80 Euro seine Reichweite um das ISDN-Netz vergrößert, kann sich zumeist noch in das System einwählen, um die nötigen Arbeiten durchzuführen. Dann ist das Ganze wirklich mehr... Zoran Lorencic
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